Klima im Cannabisanbau

Das Klima ist ein zentraler Faktor im Cannabisanbau. Licht und Nährstoffe können nur dann richtig genutzt werden, wenn auch Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftaustausch und Umluft passen. Die Klimawerte in der Tabelle geben dafür eine gute Orientierung pro Phase. Sie zeigen, dass Cannabis nicht in jeder Entwicklungsphase die gleichen Bedingungen braucht.

In der Keimung und frühen Entwicklung darf die Luftfeuchtigkeit höher sein, weil junge Pflanzen noch wenig Wurzelmasse haben und schnell austrocknen können. In der Wachstumsphase wird die Pflanze aktiver, bildet mehr Blattfläche und verdunstet mehr Wasser. Hier braucht sie ein stabiles Klima, damit Wachstum, Wasseraufnahme und Nährstofftransport gut funktionieren.

In der Blüte verändert sich die Situation. Die Pflanze bildet zunehmend dichte Blüten, in denen sich Feuchtigkeit leichter halten kann. Deshalb wird die Luftfeuchtigkeit in dieser Phase niedriger gefahren. Das senkt das Risiko für Schimmel und sorgt dafür, dass das Mikroklima im Pflanzenbestand stabil bleibt. Besonders in der Endblüte ist ein kontrolliertes Klima wichtig, weil dichte Blüten empfindlicher auf stehende Feuchtigkeit reagieren.

Auch die Temperatur sollte nicht isoliert betrachtet werden. Hohe Temperaturen können die Pflanze zwar aktiv halten, sie erhöhen aber auch den Wasserbedarf und können Stress auslösen, wenn Luftfeuchtigkeit und Bewässerung nicht dazu passen. Gegen Ende der Blüte sind moderatere Temperaturen sinnvoll. Werte um etwa 24 °C helfen, die Qualität zu erhalten, weil flüchtige Aromastoffe wie Terpene empfindlich auf dauerhaft hohe Temperaturen reagieren können.

Ein wichtiger Zusammenhang ist das Verhältnis zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Dieses Verhältnis wird oft über den VPD beschrieben. Vereinfacht gesagt zeigt der VPD, wie stark die Luft Wasser aus den Blättern zieht. Ist die Luft zu feucht, verdunstet die Pflanze zu wenig Wasser. Dadurch kann auch der Transport von Nährstoffen aus dem Wurzelbereich schwächer werden. Ist die Luft zu trocken, verdunstet die Pflanze zu stark und kann unter Stress geraten. Ziel ist deshalb ein Klima, bei dem die Pflanze aktiv arbeitet, aber nicht überlastet wird.

Neben Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist der Luftaustausch entscheidend. Die Abluft entfernt warme und feuchte Luft aus dem Growraum und sorgt dafür, dass frische Luft nachströmen kann. Ohne ausreichenden Luftaustausch steigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit schnell an. Gleichzeitig kann CO₂ knapp werden, besonders wenn viele Pflanzen auf engem Raum stehen.

Umluft ist ebenfalls wichtig, erfüllt aber eine andere Aufgabe. Ventilatoren bewegen die Luft im Raum und verhindern stehende, feuchte Zonen zwischen Blättern und Blüten. Das ist besonders in der Blüte wichtig, weil sich Feuchtigkeit dort sonst leicht sammelt. Umluft ersetzt aber keine Abluft. Ein Ventilator bewegt nur die vorhandene Luft, führt aber keine Feuchtigkeit ab und bringt keine frische Luft hinein.

Die Pflanzen sollten dabei nicht dauerhaft stark direkt angeblasen werden. Eine leichte Bewegung der Blätter ist gut, permanentes Flattern oder trockene Blattränder deuten eher auf zu starken Wind hin. Besser ist eine gleichmäßige, indirekte Luftbewegung, die den gesamten Pflanzenbestand erreicht.

Gerade unter LED-Lampen sollte man außerdem beachten, dass die Blätter oft kühler sind als die Raumluft. LEDs geben weniger Strahlungswärme an die Blattoberfläche ab als klassische HPS-Lampen. Dadurch kann der Raumwert passend aussehen, während das Klima direkt am Blatt etwas anders ist. Für die Pflanze zählt aber vor allem das Klima am Blatt, weil dort Verdunstung und Gasaustausch stattfinden.

Ein gutes Klima erkennt man deshalb nicht nur an Messwerten, sondern auch an der Pflanze selbst. Wenn Pflanzen gleichmäßig wachsen, stabil stehen und keine dauerhaft hängenden oder eingerollten Blätter zeigen, passt das Klima meist gut. Treten trotz passender Bewässerung und Nährstoffversorgung Probleme auf, lohnt es sich fast immer, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Abluft und Umluft genauer zu prüfen.

Optimale Klimawerte pro Phase

PhaseTemperatur (Licht an)Temperatur (Licht aus)Luftfeuchtigkeit
Keimung22–25 °C20–22 °C70–90 %
Wachstum22–28 °C18–22 °C50–70 %
Blüte20–26 °C16–20 °C45–60 %
Endblüte18–24 °C16–18 °C35–50%

Fazit

Das Klima entscheidet, wie gut Cannabis Licht, Wasser und Nährstoffe nutzen kann. Die Klimatabelle gibt eine gute Orientierung für die einzelnen Phasen, aber entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Abluft und Umluft. In der Blüte sollte die Luftfeuchtigkeit niedriger gehalten werden, und gegen Ende der Blüte sind moderatere Temperaturen sinnvoll, um Aroma und Terpene besser zu erhalten.

Im nächsten Abschnitt schauen wir uns an, worin sich Erde, Kokos, Steinwolle und Hydroponik unterscheiden und warum das gewählte System bestimmt, wie gegossen und gedüngt werden sollte.

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